Ein weiterer Beruf, der den Innovationen der Fahrzeugbranche angepasst wurde, ist der Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik. Der etwas sperrig klingende Tätigkeitsbereich hat den des Karosseriebauers von einst ersetzt. Längst müssen die Arbeiten nicht nur an Blech, sondern an einem Mix vielfältiger Werkstoffe vollzogen werden. Der Anteil von Aluminium und Kunststoff hat ebenso zugenommen wie neue Verbindungs- und Fügetechniken. Zusätzlich müssen die Mechaniker auch profunde Kenntnisse in Autoelektrik und Fahrwerktechnik besitzen.
Für die dreieinhalb Jahre dauernde Ausbildung sollten Interessierte in jedem Falle eine Vorliebe für den Umgang mit unterschiedlichen Werkstoffen wie Metall, Holz, Kunststoff sowie eine handwerkliche Begabung mitbringen. Neben polieren, spachteln, nieten oder kleben zählt aber auch der Umgang mit computergestützten Hilfsvorrichtungen wie Hebebühnen oder Bremsprüfstände zu den Hauptbeschäftigungen.
Da von den Arbeiten die Sicherheit im Straßenverkehr abhängt, sind Sorgfalt und Genauigkeit unerlässlich.
Zusätzlich sind die Mechaniker sehr nah an den Kunden "dran", das heißt, sie beraten, betreuen, nehmen Wünsche, Informationen und Beschwerden entgegen.
Eine weitere Bedingung ist körperliche Fitness, da nicht nur unheimlich viel im Stand, sondern auch in Zwangshaltung (gebückt, überkopf) gearbeitet wird. Der Geruch von Lacken, Reinigungs- und Lösungsmitteln kann zudem die Atemwege reizen. Dementsprechend ist bei vielen Verrichtungen Schutz- und Sicherheitskleidung geboten.
Der Beruf, der meist in Werkstätten, Reparaturbetrieben, Fuhrparkunternehmen und Speditionen ausgeübt wird, erfordert zudem jede Menge Flexibilität: Montagearbeiten, Abschlepp- und Bereitschaftsdienste finden nicht selten nachts und an Wochenenden statt.
Nach der Grundausbildung findet keine Spezialisierung in verschiedene Fachrichtungen statt ("Monoberuf"). Allerdings findet eine erste Prüfung nach den ersten beiden Jahren statt, die mit 35 Prozent auf die Endprüfung ("gestreckte Gesellenprüfung") angerechnet wird.
Die Ausbildung besitzt folgende Schwerpunkte:
- Pflegen und Warten von Fahrzeugen oder Systemen (Leitfäden, Schaltbilder, Ersatzteil- und Materialbedarfslisten)
- Demontieren, Instandsetzen und Montieren von fahrzeugtechnischen Baugruppen oder Systemen (Bohrungen, Gewinde, Schrauben, Anzugsdrehmomente)
- Prüfen und Instandsetzen elektrischer und elektronischer Systeme, von Steuerungs- und Regelsystemen (Sensoren, Grundschaltungen, Regelkreise)
- Be- und Verarbeiten von Halbzeugen und Bauteilen aus Metallen (Skizzen, Schablonen, Normen, mechanische und thermische Trennverfahren)
- Be- und Verarbeiten von nichtmetallischen Werkstoffen und Verbundstoffen (Kunststoffverarbeitungsverfahren, manuelles und maschinelles Umformen)
- Installieren elektrischer und elektronischer Systeme (Starteranlagen, Energiemanagement) sowie mechanischer, hydraulischer und pneumatischer Systeme (Bremsanlagen, Dämpfungssysteme, Radführungssysteme, Lenkung)
- Analysieren von Fahrzeug- und Karosserieschäden (Kundenbefragung, Sicht-, Tast-, Geräusch-, Geruchs- und Funktionsprüfung, Aufbaupläne)
- Rückverformen deformierter Karosserie- und Fahrzeugrahmen (Zug- und Druckanordnungen, Kräftezerlegung), Ausbeulen von Karosserieblech
- Durchführen von Abschnittsreparaturen (Kostenvergleich, Fügeverfahren, Dicht- und Dämmmaterial)
- Vorbereiten und Durchführen von Reparaturlackierungen (Grundierung, Lacktechniken, Vorbehandlung, Trocknung)
Durch den häufigen Umgang mit gefährlichen Stoffen und Flüssigkeiten werden Kenntnisse zu Umweltschutz, Recycling, Entsorgung von Lack- und Lösungsmitteln und anderen Betriebsstoffen sowie zu nachwachsenden Rohstoffen verstärkt vermittelt.
Zusätzliche erforderliche Qualifikationen
Seit Juli 2009 müssen Beschäftigte in Handwerksbetrieben, die mit fluorierten Gasen arbeiten, nach der Chemikalien-Klimaschutz-Verordnung seitens der EU zudem im Besitz einer Sachkundebescheinigung sein. In Treibhausgas, zum Schäumen von Kunststoff, in Kälte- und Löschmittel (bei brennendem Öl oder Kraftstoffen) kommt der klimaschädigende Stoff vor, dessen Emission besonders durch die Pkw-Klimaanlagen erhöht wird.
Während der Ausbildung oder danach muss eine theoretische und praktische Sachkundeprüfung bei der zuständigen Kammer abgelegt werden. Arbeitet man lediglich an Klimaanlagen im Kfz, so genügt die Teilnahme an einem Lehrgang. Genaue Informationen erhalten Sie in unsrem Downloadbereich rechts.
In den obligatorischen Kursen der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) werden nachstehende Lerninhalte vermittelt:
- Grundlagen der Werkstoffbearbeitung und Fahrzeuginstandhaltungstechnik
- Messtechnische Grundlagen für Fahrzeugelektrik/-elektronik, Pneumatik und Hydraulik
- Karosserieinstandhaltungstechniken (MAG-/RP-Schweißen, Umformtechnik, MIG-Löten und Schweißen sowie Weich- und Hartlöten)
- Mess- und Prüftechniken
Nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung stehen dem Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik zahlreiche Wege zur Weiterbildung offen. Er kann sich zum Meister oder Ingenieur qualifizieren.




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